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TRAININGSCAMP IM AUSLAND ODER IM HEIMISCHEN GYM?

In Zeiten der Professionalisierung des MMA Sports bleibt es nicht aus, dass vor Allem die Sportler sich immer professioneller auf ihre Kämpfe vorbereiten möchten. Für Sportler, die für ihr Einkommen MMA bestreiten, ist ein professionelles Trainingsumfeld unerlässlich. Gute Trainer und gute Trainingspartner gehören zu den wichtigsten Bedingungen, damit ein Kämpfer sich entwickelt. Um sich ein perfektes Trainingsumfeld zu schaffen, gehen aber Kämpfer viele verschiedene Wege. Viele verlassen ihr altes Gym und meist auch ihre Heimat um in einem großen professionellen MMA-Gym zu trainieren. Andere versuchen sich vor Ort in ihrem örtlichen Gym die besten Bedingungen zu schaffen. Es gibt aber auch noch den Mittelweg bei denen Kämpfer, sei es speziell als Vorbereitung für einen Kampf oder zur Erweiterung der eigenen Fähigkeiten, in ein anderes Gym reisen und dort für einen gewissen Zeitraum trainieren. So möchte ich in diesem Artikel auf all diese Möglichkeiten eingehen sein Training und seine Vorbereitung zu bestreiten. Jede dieser Methoden hat seine Vor- und Nachteile und es gibt sowohl national als auch international viele Leute, die mit ihren jeweiligen Methoden große Erfolge feiern konnten.

ORTSWECHSEL IN EIN GRÖßERES MMA–GYM

In den USA gibt es mittlerweile sehr viele MMA-Gyms, die einen besonders guten Ruf haben, sei es durch viele Champions, die dort trainieren oder durch besonders bekannte Trainer, die dort ansässig sind. Besonders zu erwähnen sind das American Top Team (ATT) oder die Blackzillians in Florida, das Team Alpha Male, American Kickboxing Academy (AKA), Alliance MMA in Kalifornien, das Team von Greg Jackson/ Mike Winkeljohn in New Mexiko oder das MMA Lab in Arizona. Auch das Tristar Gym in Kanada ist besonders beliebt bei MMA-Sportlern.

Die Vorteile dieser großen Gyms liegen meist auf der Hand. Durch ihren exzellenten Ruf trainieren dort viele Spitzenkämpfer, welche dort einem sowohl als Trainings- als auch als Sparringspartner nützlich sein könnten. Auch sind dort meist sehr erfahrene und teils auch berühmte Trainer, von deren Expertise man als Kämpfer auch profitieren kann.

Auch verfügen solche Gyms meist über eine sehr gute Ausstattung und das Training ist meist sehr professionell, da die Profis meist getrennt von den Hobbysportlern trainieren.

Leider hat der Wechsel in ein größeres professionelleres Gym nicht immer nur Vorteile für den Sportler. Der wichtigste Faktor ist meist das Geld, denn nicht jeder Sportler kann es sich leisten seinen Heimatort zu verlassen, da diese dann meist nicht mehr die Möglichkeiten haben sich eben mal ein wenig Geld für den Lebensunterhalt dazuzuverdienen. Viele Sportler arbeiten immer noch nebenher in einem anderen Beruf um sich über Wasser zu halten. Solchen Jobs zum Nebenverdienst nachzugehen wird nach einem Wechsel in eine neue Stadt meist schwieriger.

Auch sind die Kosten für das Training in solchen Gyms meist noch extrem hoch. Somit kommt solch ein Wechsel meist nur für Kämpfer in Frage, die einen guten Verdienst durch hohe Kampfgagen oder Sponsorengelder erzielen.

Ein weiterer Nachteil, den man auch nicht unterschätzen sollte, ist die Anonymität, die in solch großen Gyms meist vorherscht. So ist es nicht ungewöhnlich, dass man in einem Gym mit mehreren hundert Mitgliedern nicht immer die volle Aufmerksamkeit der Trainer erhält, falls man nicht gerade einer der Spitzenkämpfer ist. Auch können die Trainer einen vielleicht manchmal einfach nicht das für einen persönlich beste Training geben, da entweder das Training gerade auf jemand anderen fokussiert ist oder der Trainer einen einfach noch nicht so lange kennt.

Hier in Deutschland kommt es bisher noch nicht so oft vor, dass sich Sportler entscheiden in eine andere Stadt zu ziehen um ihr Training professioneller bestreiten zu können, was vielleicht noch an den zu geringen Verdienstmöglichkeiten liegt. Eines der berühmtesten Beispiele von Sportlern, die dies gewagt haben, ist der ehemalige M1-Halbschwergewichtschampion Stephan Pütz, welcher gerade beim MMA Spirit in Frankfurt trainiert. Aber auch von Nick Salchow aus Düsseldorf ist bekannt, dass dieser schon länger bei den Blackzillians in Florida trainiert und in der USA auch schon einen Kampf gewonnen hat. In Teams wie dem American Top Team oder den Blackzillians trainieren aber ohnehin meist Kämpfer aus allen Ecken der Welt, woran man sieht, dass dort eine ganz andere Mentalität herrscht und die Sportler durch ihren höheren Verdienst oft auch mehr Möglichkeiten haben.

TRAINING IM HEIMAT–GYM

Es gibt viele erfolgreiche Kämpfer, welche es mit ihren ursprünglichen Teams und Trainern zu Weltruhm gebracht haben. Das prominentestes Beispiel hierfür ist UFC-Federgewichtschampion Connor McGregor, welcher im früher noch unbekannten Straight Blast Gym (SBG) Dublin trainiert. Auch Alexander Gustaffson hat es geschafft mit seinem, damals noch relativ unbekanntem, Team aus Stockholm den Allstars zu einem der besten Halbschwergewichte der Welt zu werden. Aus deutscher Sicht sind vor Allem Daniel Weichel vom MMA Spirit oder Peter Sobotta von Planet Eater zu erwähnen. Diese haben ihren eigentlichen Trainingsschwerpunkt immer noch in ihrer Heimat. Dennis Siver ist auch ein Paradebeispiel von einem Kämpfer, der nie seine Heimat verlassen hat um sich auf seine anstehenden Kämpfe vorzubereiten, sondern immer bei seinem alten Team und Trainern geblieben ist.

Um sich ein möglichst hohes Trainingsnievau zu ermöglichen, lassen diese meist vor Allem als Vorbereitung für anstehende Kämpfe Trainings und Sparringspartner von außerhalb kommen.

Profitieren tun diese aber auch von den Trainingspartnern vor Ort, welche direkt aus ihrem Team kommen und oft sogar langjährige Schüler oder Trainingspartner sind.

Die Vorteile von dieser Methode liegen auf der Hand. So kann man seine Trainingsvorbereitung in einer für einen gewohnten Umgebung bestreiten und ist nicht durch große Entferungen von Freunden und Familie getrennt, was vor Allem psychologisch für viele Kämpfer von Vorteil ist.

Auch haben diese Kämpfer vor Ort viel mehr Möglichkeiten zusätzliches Einkommen zu generieren als fernab der Heimat. Vor Allem ist ein eigenes Kampfsportgym meist eine konstante und zudem langfristige Einnahmequelle für den Kämpfer.

Ein weiterer großer Vorteil des Trainings im eigenen heimatlichen Gym mit altbekannten Trainern und Trainingspartnern ist, dass diese einen meist sehr genau kennen und genau wissen, was für ein Training der Athlet braucht. So eine enge Kämpfer-Trainer-Bindung ist in größeren professionelleren Gyms nicht immer möglich.

Nachteile ergeben sich aber leider oft für die Kämpfer in ihrem heimatlichen Gym dadurch, dass diese zu sehr in Verpflichtungen, wie das Unterrichten von Trainingsgruppen, eingebunden sind, sodass diese sich manchmal zu wenig auf ihr eigenes Training konzentrieren können. Auch gibt es dort für den Kämpfer meist viele potenzielle Ablenkungen, welche verhindern, dass der Kämpfer sich zu 100% auf sein Training fokussieren kann.

Auch ist das Niveau an Trainern und Trainingspartnern meist durch die Größe des Gyms nicht so hoch wie in größeren Gyms, wo Trainer und Kämpfer hauptberuflich trainieren.

TEMPORÄRER GYMWECHSEL

Viele Kämpfer, und nicht nur die Professionellen, gehen meist den Mittelweg zwischen den beiden vorher erörterten Trainingsmethoden. Da viele nicht ihre Heimat und ihr Team langfristig verlassen wollen oder können, reisen diese dann für einen bestimmten Zeitraum zu einem anderen Team um dort ihre Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich zu verbessern. Vor Allem Gyms in Thailand wie das Phuket Top Team oder das Tiger Muay Thai haben sich drauf spezialisiert Kämpfer aus dem Ausland zu beherbergen und zu trainieren, welche sich entweder dort auf einen Kampf vorbereiten oder nur ihre Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich verbessern wollen.

Besonders Thailand ist sehr beliebt bei vielen Athleten, da es einerseits für sein hohes Striking-Niveau bekannt ist und die Lebenserhaltungskosten in Thailand relativ niedrig sind. Auch das bessere Wetter scheint für viele Kämpfer meist ein nicht irrelevanter Grund zu sein, ihr Training im Ausland zu bestreiten.

Es ist von vielen Kämpfern bekannt, dass diese oft verreisen und an anderen Orten trainieren. Dies tun nicht nur MMA-Kämpfer sondern auch viele Thaiboxer oder Grappler, welche ebenso von einer neuen Trainingsperspektive profitieren und sich durch andere Trainer, Trainingspartner und Trainingsmethoden stetig weiterentwickeln können.

Besonders bekannte Beispiele von Kämpfern, welche regelmäßig zum Training ins Ausland reisen sind Nick Hein, Peter Sobotta und auch Mario Wittmann, Rany Sadeeh, Vlado Sikic etc.. Nick Hein hat zum Beispiel sein Trainingscamp für seine letzten UFC-Kämpfe immer bei Tiger Muay Thai absolviert und auch von Mario Wittmann und Peter Sobotta ist es bekannt, dass diese schon oft beim Team Super Pro in Samui /Thailand an ihrem Striking feilten. Auch hat Peter Sobotta seine Vorbereitung für seine ersten UFC-Kämpfe ganz oder teilweise in San Diego bestritten. Von Alexander Gustaffson ist es auch bekannt, dass dieser eine Zeit lang auch nach San Diego zu Alliance MMA reiste, wo dieser mit seinem früheren Gegner Phil Davis sein Ringen stark verbessert hat. Ein weiteres berühmtes Beispiel ist auch Rafael Dos Anjos, welcher regelmäßig nach Singapur zu Evolve MMA reist um dort sein Striking zu verbessern. Eines der berühmtesten Beispiele eines Kämpfers, der regelmäßig gereist ist um sich als Kämpfer weiterzuentwickeln, ist George St Pierre, welcher zwar eng mit seinem Heimatgym dem Tristar Gym aus Montreal verbunden ist, aber trotzdem viel reist um sich von den besten Trainern in ihren jeweiligen Fachbereichen trainieren zu lassen wie John Danaher, welcher als einer der besten BJJ-Trainer der Welt angesehen wird, oder Freddie Roach, dem Boxtrainer von Manny Pacquiao, oder Greg Jackson, einem der renomiertesten MMA Trainer unserer Zeit.

Man kann also sehen, dass es für viele Kämpfer eine Bereicherung ist, ihr Training woanders zu bestreiten oder zu variieren, indem man sich Gasttrainer nach Hause holt. Denn jeder Kämpfer weiß, dass Stillstand Rückschritt heißt und dass, wer aufgehört hat besser zu werden, nicht mehr gut ist. Es muss nicht jeder gleich in ein weltbekanntes Gym wechseln um die eigenen Fähigkeiten als Kampfsportler zu verbessern. Man kann mit dem eigenen Team und Trainern meist schon sehr viel erreichen, falls diese ihren Job gut machen. Andererseits kann man auch sagen, dass es oft gut ist, seine gewohnte Umgebung, also seine eigene Komfortzone, zu verlassen, denn, wenn man immer nur das gleiche macht und sich nie auf etwas neues einlässt, kann man meiner Meinung nach nie sein vollständiges menschliches oder kämpferisches Potenzial ausschöpfen. So sollte man regelmäßig versuchen, mit anderen Leuten oder Teams zu trainieren. Nicht jeder muss dafür gleich nach Brasilien, Thailand oder in die USA reisen. Manchmal tut es auch schon der Besuch einer Open Mat oder das Mittrainieren in einem anderen Gym. Jede neue Erfahrung kann einen kämpferisch und auch menschlich sehr berreichern.

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