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Mixed Martial Arts

KARATE

Scheinbar veraltet und Außenseiter im MMA, aber dennoch
die Basis unzähliger Weltklassekämpfer.

URSPRUNG

Mitte des 15. Jahrhunderts entstand auf der südjapanischen Inselgruppe Okinawa die Frühform des Karate, dessen Wurzeln bei den chinesischen Einwanderern lagen. Als Techniken für den unbewaffneten Kampf konzipiert, verbreitete sich das Karate schnell, da zu der Zeit die Machthaber es ihren Untertanen verboten, Waffen zu tragen. Unzählige Karate-Stile entstanden im Laufe der Jahrhunderte, als es von Okinawa aufs japanische Festland gebracht wurde. Erst im späten 19. Jahrhundert wurde das moderne Karate durch eine Gruppe „Reformatoren“ in ein System zusammengefasst. Den Westen erreichte Karate kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als auf Okinawa stationierte US-Soldaten es mit in die Staaten brachten, wo es sich rasch verbreitete.

DER KLASSISCHE KARATEKAMPF

Hierbei konzentrieren wir uns auf den härtesten Karatestil, das Kyokushin-Karate. 1956 von Masatatsu Oyama gegründet, legte es deutlich weniger Wert auf die aus dem Karate bekannten Formen und Katas und konzentrierte sich darauf, was im Kampf wirklich funktioniert. Das „Karate der letzten Wahrheit“ ist ein waschechter Vollkontaktsport, bei dem die Karateka ohne Handschuhe kämpfen. Kopftreffer sind weder mit Fäusten noch mit Ellenbogen erlaubt, jedoch mit Knien und Tritten. Schläge richten sich im Kampf meist gegen den Oberkörper des Gegners und erfolgen in rasanter Anzahl, was zu einer Abhärtung der Kämpfer führt. Bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 wird Karate auf dem Programm stehen.

DIE WAFFEN EINES KARATEKA

Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Waffen eines Karateka ist für das MMA ungeeignet. Darunter die Handkantenschläge sowie Tritte, die teilweise nur auf Kontakt getreten werden, nicht aber den vollen Schwung mit sich bringen. Was viele Karateka besonders auszeichnet ist eine spürbare Abhärtung durch das langjährige Training und dadurch vorhanden eine mentale Stärke. Der Mangel an Schlägen zum Kopf ist ein deutliches Manko und muss gemeinsam mit der auf das Verteidigen von Körpertreffern angepassten Deckungsarbeit mühsam ausgebessert werden. Im Clinch und im Bodenkampf bietet das Karate keine adäquaten Techniken, was es zur großen Schwäche der Karateka werden lässt.

BEKANNTE GESICHTER

Kenpo-Karate-Kämpfer Zane Frazier bewies bei UFC 1 1993 deutlich, dass reines Sportkarate im Käfig nichts zu suchen hat als ihn die Brutalität seines technisch deutlich unterlegenen Gegners auf dem falschen Fuß erwischte. Mit dem Aufstieg der UFC-Legende Chuck Liddell, ebenfalls Kenpo-Kämpfer, zeigte sich deutlich, dass Karate als Basis durchaus seine Berechtigung hatte. Eine weitere Legende, die das beweist, ist der Kanadier Georges St.Pierre, dessen Wurzeln im Kyokushin liegen und der im teils rauen Umfeld des MMA immer die traditionellen Werte des Karate hochhielt. In einem Atemzug mit Liddell und St. Pierre muss auch noch der Brasilianer Lyoto Machida erwähnt werden, da er der erste Karateka war, der zahlreiche Techniken aus seinem Sport für das MMA perfektioniert hatte und in der UFC einige Jahre als der am schwersten zu treffende Kämpfer galt. Die Popularität des Karate ist in den USA ungebrochen, was eine ganze Welle neuer Gesichter in die Käfige spült: Sage Northcutt, Michelle Waterson und Stephen Thompson.

DAS GEHEIMREZEPT ZUM ERFOLG

Mentale Stärke und eine selten gesehene innere Ruhe waren die großen Stärken von Georges St. Pierre und Lyoto Machida. Trash Talk vor Kämpfen, markige Sprüche oder aggressives Verhalten bekam man von ihnen nie zu sehen. Genau das war der Schlüssel zum Erfolg, da sie es schafften im Kampf komplett abzuschalten und so einem mit Adrenalin vollgepumptem Gegner geistig immer einen Schritt voraus zu sein schienen. Handkantenschläge bekam man von ihnen jedoch nie zu sehen, weil sie über lange Jahre die nicht effektiven Techniken des Karate ausgefiltert hatten und die nützlichen an das MMA anpassen konnten. Stephen Thompson und Michelle Waterson machen es in der UFC zur Zeit gut vor, wie der Karateka Erfolg haben kann: Ringen und Boxen sind unabdingbar dafür.

EINFLUSS AUF DEN MMA–SPORT

So sehr es Kämpfer fasziniert, wenn ein Athlet im MMA mit einer Karatetechnik ein Highlight setzt, ist der Anteil derer, die daraufhin Karate als Teil ihres Trainings lernen wollen, verschwindend gering. Zu sehr prägt das Bild von Handkantenschlägen, schönen aber ineffektiven Flugtritten und anderen Techniken das Bild der auf Realismus fixierten Kämpfer. Dabei vergessen viele, dass Karate den Unterschied machen kann. Es gilt als Basis der Kampfsportarten – aus ihr ist u.a. das Kickboxen entstanden. Zudem ist der Stand der Karatekämpfer weitaus besser fürs MMA geeignet als der der klassischen Boxer. Trainiert man einen auf Realismus getrimmten Stil wie Kyokushin, hat man zudem eine gute Basis, um Knie, Ellenbogen, Fäuste und Füße effektiv einzusetzen und verfügt über ein Repertoire an Angriffen, das den Standard-Kämpfer kalt erwischen kann.

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