Der Siegeszug der hybriden Kampfsportart im Mixed Martial Arts.

URSPRUNG

Der Begriff „Kickboxen“ wurde erstmalig 1960 in Japan verwendet, als ein Boxpromoter japanische Karatekämpfer und thailändische Muay-Thai-Experten im direkten Vergleich zueinander stellte. Die wichtigsten und effektivsten Techniken des klassischen Boxens, Vollkontaktkarate und Muay Thai wurden zu einer neuen Kampfsportart verschmolzen und seitdem regelmäßig auf Turnieren gekämpft, ohne dass es besonders populär wurde. In den USA schaffte das Kickboxen in den frühen Achtzigerjahren den Durchbruch, als es vornehmlich durch Bill „Superfoot“ Wallace‘ spektakuläre Erfolge Aufmerksamkeit erhielt. Mit der Geburt der japanischen Organisation K-1 im Jahr 1993 gelang auch der große Wurf in Japan, das seitdem das unumstrittene Mekka des Kickboxens ist.

DER KLASSISCHE KICKBOXKAMPF

Zwei Athleten stehen sich in einem quadratischen Ring gegenüber und versuchen, sich mithilfe von Fauststößen und Tritttechniken zu besiegen. Legale Trefferzonen sind die Beine, der Oberkörper und der Kopf des Gegners. Kickboxkämpfe haben je nach Veranstalter unterschiedliche Längen, die Siegmethoden bleiben aber die selben: Es gewinnt derjenige Kämpfer, der seinen Gegner sauber ausknocken kann, ihn drei Mal in einer Runde zu Boden schickt oder nach Ablauf der Zeit nach Punkten vorne liegt. Zudem kann der Kampf durch Disqualifikation enden oder vom Ringrichter nach schwerwiegenden Regelverstößen oder deutlicher Überlegenheit eines Kämpfers beendet werden. Im Kickboxen wird unterschieden zwischen Semikontakt, Leichtkontakt sowie Vollkontakt und K-1-Regeln, wobei nur die letzten beiden sich aufgrund ihrer wenigen Einschränkungen als Basis für MMA eignen.

DIE WAFFEN EINES KICKBOXERS

Die Tritttechniken bringen deutlich mehr taktische Variationen ins Spiel als das beim klassischen Boxen möglich ist. Zu den bekannten Techniken des Boxens kommen häufig zum Abschluss Tritte mit dem nicht gepolsterten unteren Schienbein, die eine weitaus größere Wucht als die Schläge mit den Boxhandschuhen haben. Die bekannte Eins-Zwei-Kombination des Boxens wird gerne mit einem tiefen Halbkreistritt gegen den Oberschenkel, dem sogenannten Lowkick, abgerundet. Kickboxer verfügen nicht über das Maß an Beinarbeit wie ein klassischer Boxer, haben mit Tritten zu Kopf, Körper und Beinen des Gegners aber eine weitere Facette, die sie im Standkampf des MMA weitestgehend komplett macht. Häufig wird im Kickboxen nur einen minimale Zeit im Clinch gekämpft, was diesen Aspekt sowie den Bodenkampf zur Schwäche des Kickboxers hat werden lassen.

BEKANNTE GESICHTER

Haben zu Beginn des MMA noch eindimensionale Haudrauf-Kickboxer ähnlich schlecht abgeschnitten wie die Boxer, ließ der Siegeszug der Kickboxer im Käfig nicht lange auf sich warten. 1996 gelang dem mehrfachen Kickbox-Weltmeister Maurice Smith die große Sensation, als er den Bodenkämpfer Marcus Silveira K.o. trat und während des Kampfes gute Defensivfertigkeiten im Ringen bewies. Ein Jahr später bezwang Smith den legendären Ringer Mark Coleman in der UFC und schockte die Welt. Ebenfalls in die Geschichtsbücher des MMA konnte sich der kroatische Kickboxer Mirko Filipovic eintragen, der die Gegner mit seiner Abwehr gegen Ringerangriffe zur Verzweiflung trieb und sie mit seinem linken High Kick zum Kopf eiskalt ausknockte.

DAS GEHEIMREZEPT ZUM ERFOLG

Smith und Filipovic haben es der Welt früh gezeigt: Gelingt es dem gelernten Kickboxer, den Gegner am Bodenkampf zu hindern, findet das Spiel nach seinen Regeln statt. Speziell in Japan sind unzählige bekannte Größen des K-1 Filipovics Fußstapfen gefolgt und haben teilweise an die Erfolge der Kickbox-Legende anknüpfen können. Eine davon ist der Neuseeländer Mark Hunt, der seine enorme K.o.-Power in der UFC regelmäßig beweist und Ringer immer wieder zur Verzweiflung treibt. Kickboxen ist das komplette Paket für den Standkampf in der UFC, wenn man die Basics perfektioniert und speziell Freistilringen in sein Training aufnimmt.

EINFLUSS AUF DEN MMA–SPORT

Es liegt nahe, dass eine hybride Kampfsportart wie Kickboxen die ideale Basis für Mixed Martial Arts ist. Der Lowkick der Kickboxer ist neben Jab, Haken und Geraden zu einem elementaren Bestandteil des MMA geworden, der aufgrund seiner Effektivität und Einfachheit in fast jedem Kampf mehrfach zu sehen ist. Die Auslese der Techniken des Kickboxens ist der Grund für die Erfolge im MMA. Selbst ein Weltklasse-Kickboxer wie Tyrone Spong hat im MMA nach kurzer Vorbereitungszeit Erfolge feiern können, was die Qualität der Sportart beweist. Das A und O wird aber in Zukunft auch die Verteidigung gegen Ringerangriffe bleiben, die den Kickboxern den Weg zum von Filipovic perfektionierten „Sprawl and Brawl“, dem Abwehren des Ringkampfes und Zuschlagen im Stand, ermöglicht hat.

Ulrich Huppertz

wlmmalogomotiv_1__2zeilig_schwarzrot